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      Chutziturm alt

      Geschichten rund um den Chutziturm

      Vom Freundschaftsturm der Thuner Stadtschützen und Männerchörler
      Gekürzt nach den Notizen von Dr. K. Zollinger, erschienen als Sonderdruck 3.9.1955 im «Oberländer Tagblatt»
      schloss alt
      Wie seit Jahrhunderten bis in die jüngste Zeit geistern sagenhafte Geschichten um unseren «Freundschaftsturm» am Fusse des Schlossberges. In alten grauen Zeiten soll von der Rabenfluh ein gehöriger Mocken Nagelfluh abgestürzt sein und den heutigen Schlossberg gebildet haben, wodurch der Lauf der Aare zwischen Schlossberg und der Lauenen hinter der Burg gebildet wurde. Ein späterer Erdschlipf vom Grüsisberg soll den Aarelauf zugedeckt und dem Abfluss des Thunersees die heutige Richtung gegeben haben. Man verlegte diese Naturereignisse in das 6. Jahrhundert nach Christi Geburt und bringt es in Zusammenhang mit der ungefähr um 660 geschriebenen «Historia Francorum» des Chronisten Fredegar, welcher schilderte, wie der «lacus Dunensis», der in den Fluss «Aarula» mündet, in «einen Zustand des Siedens geraten sei und dadurch eine Menge Fische ausgeworfen habe». Eine ergötzlich Schilderung! Die Geologie verwirft die Theorie, dass die Aare oder ein Aarearm seit dem Rückzug der Gletscher einmal hinter der Burg durchgeflossen sei. Felsenfest und unbestritten bleibt jedoch aber der Standort unseres Schlossberges!
      Chutziturm alt
      Die «Herren von Thun» errichteten vor der zähringischen Zeit, in der Nähe des heutigen Burgtors, eine Festungsanlage mit Turm. Diese diente nachher als Vorwerk für die heutige wuchtige Schlossanlage, welche «Berchtold V. von Zähringen» 1190/91 in Angriff nahm und später von den «Grafen von Kyburg» ausgebaut wurde. Am Fusse der gegen Westen offenen Halde des Schlossberges wuchs die Stadt heran. Vorerst um die älteste Siedlung auf dem Gebiet der Kreuzgasse bis zum heutigen Restaurant Krone als «Altstadt» und nachher erweitert mit dem Bälliz und dem Gebiet der Marktgasse und der unteren Hauptgasse als «Neustadt». Um diese Siedlung führte eine mit Wehrtürmen befestigte Ringmauer, so dass Thun schon im Jahre 1255 als «villa bene munita» bekannt war. Die Türme waren einerseits Tortürme mit einem Spitzdach ausgestaltet: das «Lauitor»,
      schloss und chutziturm
      das «Scherzligtor», der «Kühturm», das «Schwäbistor» und das «Berntor». Zum andern wurde das Mauerwerk in kurzen Abständen verstärkt durch sog. «Letzitürme» oder «Litzetürme» genannt mit einer Zinnenplattform ohne Aufbau. Zwischen dem «Scherzligtor» und dem «Kühtor» (heutige Allmendbrücke) standen nicht weniger als 7 bis 8 eingebaute Letzitürme. Diese brachen im Laufe der Zeit ein und machten Wohnbauten Platz, welche in die bestehende Ringmauer eingebaut wurden. Alle Türme sind heute «gefallen» bis auf den («verarchitekdonnerten») «Venner Zyro Turm» und den «Freundschaftsturm», unseren «Chutziturm».

      Diese Türme gaben und geben heute noch der Stadt ein kraftvolles, aber auch malerisches Aussehen, überragt vom gewaltigen Bau des Schlosses Thun.
      lauithor

      Wie hat der «Chutziturm» wirklich geheissen?
      Unser «Freundschaftsturm» trug einen wenig anmächeligen Namen, denn er hatte neben der Bezeichnung «Litzeturm» den Namen «Zuchthausturm» oder «Zuchtturm», weil er auch als Unterkunft armer Leute (Gesindel) diente, welche man hier «züchtigen» (erziehen) wollte. «Chutziturm» ist eine sprachliche Neuschöpfung in Anlehnung an Käuze, einer Vogelart, welche wahrscheinlich in den Gebälken der Türme Thuns genistet haben könnten. Thunerbürger haben am Abend des 1. August 1953, in Anlehnung an den heutigen gebräuchlichen Namen sich den Witz geleistet, auf der Zinne des «Letziturmes» ein Feuer anzuzünden. Dies wohl in der Annahme, dass auf diesem Turm in «Lärmzeiten», wie auf den Hochwachten im Lande Alarmfeuer oder «Chutzen» abgebrannt worden seien. Das ist nachweislich falsch, also «Chutzemischt». Auf keinem der Letzitürme unserer Stadtmauer wurden Alarmfeuer abgebrannt!
      Chutziturm mit Schloss

      1955 wurde der «Chutziturm» von der Schützengesellschaft und dem Männerchor der Stadt Thun renoviert, baulich und handwerklich aufs Schönste ausgestaltet mit Räumen als Visitenstube für geladene Gäste. Was einst als Sicherung und Wehrbereitschaft der Stadt diente, wird heute zur Stätte der Geselligkeit und Freundschaft in unserer geliebten Stadt!

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      Adresse Chutziturm

      Chutziturm
      Burgstrasse 45
      Thun

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